Analoge Fotografie

Eine Welt, in der ich groß geworden bin. Eine Welt, in der man die passenden und zusätzlichen Akkus für die Canon eingepackt hat, genauso wie die vielen Filme, wenn man in den Urlaub flog. Immer mit der „Angst“ im Gepäck, dass genau dieses in diversen Ländern mehr als üblich durchleuchtet wird. Mit der „Angst“, dass man nicht genug Filme mit hatte, und vor Ort soweit von der nächsten Zivilisation entfernt war, dass man nicht nachkaufen konnte. Oder mit der „Angst“ verbunden, horrende Preise für ewig alte Filme in irgendwelchen Touri-Einkaufsbuden löhnen zu müssen.

Oder die Angst, dass man von den vielen Motiven nicht DAS passende fotografiert hatte, das Licht nicht stimmte, ein Staubkorn in der Optik, die Linse verdreckt war oder oder oder…

Und nach einer unsäglich langen Zeit des Wartens bis man die Abzüge in den Händen hielt und ein kleines Happening veranstaltete, die Fotoschätze, ein Foto nach dem anderen, bestaunte und genoss. Wer die Zeit kennt, kennt auch das Gefühl.

Bei der heutigen digitalen Fotografie hat man dieses Gefühl nicht mehr. Live-View in der Kamera vor der Auslösung, quasi unendliche Möglichkeiten mg-artig das Motiv abzu“shooten“ und die Tatsache, dass man sofort das Ergebnis sieht, eliminiert dieses Gefühl. Nicht, dass ich die heutige Fotografie verteufle. Ich finde sie gut und komfortabel und möchte sie nicht missen. Ich vermisse hingegen auch die alte Welt.

Als ich die alten Kameras meines Vaters und auch meine gute alte Canon (die schon viele Länder mit mir bereist hat) wieder in der Hand hielt, wusste ich, dass ich wieder in die alte Welt abtauchen möchte.

Also, einen abgelaufenen schwarz/weiss Ilford Delta 400 Film (mit DM Preisschild auf dem Karton) in die halbwegs gereinigte Mamiya eingelegt und mal schnell 20 Fotos im Garten gemacht.

Die erste Erkenntnis: es braucht Zeit. Kein Live-View, keine Kantenanhebung beim manuellen Fokussieren. Nur eine kleine Anzeige im Sucher mit dem Belichtungsmesser. Jedes Foto war also gezwungenermaßen entschleunigt entstanden.

Die zweite Erkenntnis: ich habe nichts verlernt, und obwohl ich die Mamiya erstmalig richtig bedient habe, ging es erstaunlich gut.

Dritte Erkenntnis: es machte Spaß 🙂

Die vierte Erkenntnis in diesen Corona-Zeiten: die Drogerieabteilung und auch alle normalen Anlaufstellen zur Entwicklung des Films waren zu. Ein Versand zu einem der vielen Labors fand ich zu aufwendig.

Das führte mich zwangsläufig zur Eigenentwicklung. Die alte Welt bot auf einmal auch völlig neue Türen und Entdeckungen für mich. Also habe mich eingelesen und diese Seite hier war besonders hilfreich: https://analoge-fotografie.net/ .

Kurzerhand habe ich mir ein Starterset besorgt und los ging es mit der Entwicklung meines ersten Filmes. Der nächste Schritt war das Digitalisieren der Negative. (Ob und wann der nächste Schritt zu echten Handabzügen kommt… mal sehen…).

Fazit: eine alte Faszination lebt wieder auf und führt mich zu neuen Welten. Das Ergebnis der ersten analogen Fotografie mit einem abgelaufenen Film (und ich habe sicherlich in der Entwicklung auch Fehler gemacht) sieht man hier als Beispiel:

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